Historie Schachvereinigung Lüdenscheid

Nachdem sich im Herbst 1950 mehr als zwanzig Mitglieder von der Schachvereinigung Lüdenscheid trennten und einen neuen Club namens "Königsspringer Lüdenscheid" gründeten, traf die Schachvereinigung bald darauf ein weiterer schwerer Schlag. Am 25. August 1951 verstarb der Motor und gute Geist des Vereins, Otto Baumann. Baumann hatte sich weit über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen gemacht und war zum Beispiel 1945 am Wiederaufbau des neuen Schachverbandes im Regierungsbezirk Arnsberg beteiligt gewesen. 1948, damals war er auch Vorsitzender des Schachbezirks Sauerland, hatte er die in Lüdenscheid stattfindende Südwestfalenmeisterschaft organisiert und geleitet.

Am 23. November 1952 trafen sich die beiden Ortsrivalen Schachvereinigung und Königsspringer erstmals zu einem Meisterschaftskampf. Die Schachvereinigung siegte klar mit einem 8:0. Es gewannen: Lucks - Konrad, Ogrzall - Persche, Hörich - Kirchmann, Stangassinger - Kolle, Schönewolf - Mähler, Funke - Heimbrock, Ohle - Bodderas, Schlitt - Weiler.

Im Jahr 1953 wurde die Schachvereinigung noch einmal durch innere Auseinandersetzungen erschüttert. Etwa zehn Mitglieder, zum größten Teil frühere Spieler des Vereins "Schachfreunde", traten aus und gründeten im Friedrichshof die "Lüdenscheider Schachfreunde 25". Bei der Schachvereinigung blieben noch 18 Mitglieder, die sich allerdings durch großes Zusammengehörigkeitsgefühl auszeichneten und in mühevoller Kleinarbeit am Wiederaufstieg des Vereins arbeiteten. Im Herbst 1954 wählten sie Wolfgang Streppel zum 1. Vorsitzenden. Mit geringen Unterbrechungen sollte er die Geschicke der Schachvereinigung 22 Jahre lang lenken, sechs davon gleichzeitig als Bezirksvorsitzender. Seine außerordentlichen Verdienste ehrte die Schachvereinigung auf der Generalversammlung 1976 mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden. 1995 verlieh ihm auch der Schachbezirk Sauerland dieses Ehrenamt.

Auf Anregung von Otto Ogrzall (1912-1991) rief die Schachvereinigung in den 50er Jahren interessierte Schachspieler in den Lüdenscheider Unternehmen zu Mannschaftsturnieren auf und stiftete einen Wanderpreis. Die Turniere fanden bis in die 60er Jahre statt. Der Initiator Ogrzall gehörte, seitdem er Ende der 30er Jahre nach Lüdenscheid gezogen war, bis ins hohe Alter zu den Leistungsträgern des Vereins und feierte auch über die Stdt hinaus zahlreiche Turniersiege. Zwischen 1938 und 1970 wurde er allein 17 mal Meister des Schachbezirks Sauerland, 1941 gewann er das Hauptturnier des Westfälischen Schachbundes und 1949 gelang es ihm sogar, in Neheim-Hüsten die Südwestfalenmeisterschaft zu holen.

Überregionale Erfolge

Dank des rührigen neuen Vorstandes wuchs der Verein Mitte der 50er Jahre in kurzer Zeit wieder auf über 30 Schachspieler an. Und nicht nur die Zahlen zeugten von einer neuen Blüte. Auch die Qualität stimmte: In der Saison 1956/57 wurde die erste Mannschaft südwestfälischer Meister und schaffte den Aufstieg in die höchste deutsche Schachklasse. Zum Team gehörten Auth, Besa, Funke, Hörich, Lucks, Nolte, Ogrzall, Schlitt und Stangassinger. Der Aufstiegskampf fand am 5. Mai 1957 in Hagen statt: Der Schachverein Menden wurde mit 5:3 Punkten geschlagen. Im selben Jahr schaffte die 2. Mannschaft der Schachvereinigung den Aufstieg in die Verbandsklasse Südwestfalen. Das waren Erfolge, von denen man bisher nicht zu träumen gewagt hatte. Leider konnte sich die erste Mannschaft in der Bundesklasse nur ein Jahr behaupten.

Im Jahr 1955 errang Werner Schlitt in einem internationalen Thema-Turnier mit einer dreizügigen Hilfs-Matt-Aufgabe (Miniatur) den 1. Preis. Schlitt, 1958 Stadtmeister und ein besonderer Könner beim Komponieren von Schachproblemen, starb am Pfingstmontag 1959 im Alter von nur 37 Jahren.

Südwestfälischer Spitzenclub

Mitte der 60er Jahre, die Schachvereinigung zählte rund 70 Mitglieder, begann die Zeit der bis heute größten sportlichen Erfolge. Im Schachverband Südwestfalen gehörte die Schachvereinigung Lüdenscheid neben Siegen und Menden zu den absoluten Spitzenvereinen. 1966/67 gelang der ersten Mannschaft mit einem knappen Sieg über die Hagener Schachgesellschaft im entscheidenden Aufeinandertreffen der Aufstieg in die Bundesklasse NRW, der damals höchsten deutschen Liga im Schachsport. Für Lüdenscheid waren gegen Hagen angetreten: Zehfuß, Lucks, Schönewolf, Ogrzall, Auth, Funke, Nolte und Meyer.

Bis Mitte der 70er Jahre schaffte die Schachvereinigung noch vier Mal die Qualifikation für die Bundesklasse (später NRW-Klasse). Zu den herausragenden Ergebnissen jener Jahre zählte auch die Vizemeisterschaft im Vierer-Pokal des Schachbundes Nordrhein-Westfalen. Im Endspiel des Jahres 1974 unterlagen Clever, Zehfuß, Tesche und Michels der Schachgesellschaft Rochade Düsseldorf nur knapp mit 1,5:2,5 Punkten.

Eine Voraussetzung für diesen Höhenflug war eine engagierte und planmäßige Jugendarbeit, die 1965/66 von Hans Lucks ins Leben gerufen und fortgeführt wurde. Später widmeten sich insbesondere auch Günther Klaus, Wolfgang Streppel und Bernd Michels den schachbegeisterten Schülern und Jugendlichen. Immer wieder entdeckten die Betreuer außergewöhnliche Talente und förderten sie. Nicht wenige dieser Talente waren später in der Ersten oder Zweiten Bundesliga zu finden. Genannt werden müssen hier Gerd Clever, der z.B. 1974 die Internationale Meisterschaft von Luxemburg gewinnen konnte, Martin Hoffmann, Dirk Maxion und Thomas Sill. In den 80er Jahren folgten dann Olaf Müller, der von den "Königsspringern" zur Schachvereinigung stieß, und Martin Wiekert.

Reisen, Jubiläen, internationale Turniere

Durch wiederholte Reisen in das benachbarte Ausland (so z.B. nach Holland, Belgien, Luxemburg, Österreich, Liechtenstein oder in die Schweiz) pflegte die Schachvereinigung besonders in den 60er und 70er Jahren den Kontakt zu Schachfreunden der Nachbarländer. Auf internationaler Ebene nahmen die Lüdenscheider Schachsportler an Turnieren in Ypern, Tirlemont, Eupen und Luxemburg teil.

1965 feierte die Schachvereinigung Lüdenscheid im Rahmen einer Festwoche ihr 40jähriges Bestehen. Zunächst trat der Club gegen eine Sauerlandauswahl an und gewann mit 16,5:13,5 Punkten. Höhepunkt war aber ein großes Internationales Turnier mit 43 Mannschaften zu je fünf Spielern aus Belgien, Frankreich, Luxemburg und Deutschland. Die Schützenhalle als Turniersaal reichte für die Schachsportler und die Zuschauer gerade aus. Oberbürgermeister Erwin Welke zeichnete die siegreiche Mannschaft vom Schachverein Eckbauer Berlin mit dem Preis der Stadt Lüdenscheid aus.

Drei Jahre später feierte die Stadt Lüdenscheid ihr 700jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass führte die Schachvereinigung eine Reihe von Veranstaltungen durch, deren bedeutendste wiederum ein Internationales Turnier mit Vereinen aus Belgien, Luxemburg, Amerika und Deutschland wurde. Hier gewann vollkommen unerwartet, aber deshalb gerade mit besonderer Freude gefeiert, der Schachverein Halver.

Im Rahmen der weiteren Ereignisse anläßlich der 700-Jahrfeier führte die Schachvereinigung ein Spiel mit lebenden Schachfiguren auf dem Rathausplatz durch. Ludwig Auth und Hans Lucks zogen an der Spitze ihrer 32 lebenden Schachfiguren mit Fanfarenklängen vom Sauerfeld zum Rathausplatz. Die zahlreichen Zuschauer waren von dieser Show begeistert. An dem großen Festzug in historischen Kostümen nahm die Jugendgruppe der Schachvereinigung teil.

Im Wellental

1975/76 endete ein Jahrzehnt bemerkenswerter Erfolge, und die Schachvereinigung geriet in ein Wellental. Die Gründe waren vielschichtig: Zum Abstieg der ersten Mannschaft aus der Bundesklasse kamen Abgänge von Leistungsträgern, teils bedingt durch Studium und Beruf, teils durch sportlichen Ehrgeiz und Abwerbungen duch finanzkräftigere Clubs. Besonders in den höchsten Spielklassen waren mehr und mehr bezahlte Profis und Halbprofis anzutreffen. Die Schachvereinigung lehnte indes den Einkauf von Spielern ab.

Es kam zu Differenzen über den weiteren Kurs des Vereins. Einige ehrgeizige Aktive traten aus und gründeten den neuen Verein "Caissa". Eine Reihe junger und talentierter Spieler folgten ihnen. Der 1976 neu gewählte Vorstand der Schachvereinigung unter Manfred Dorn verstand es jedoch, die noch vorhandenen Kräfte zu mobilisieren. Zum Erstaunen vieler Experten fing sich die Schachvereinigung wieder, und ihrem Aushängeschild, der ersten Mannschaft, gelang es, sich in der Verbandsliga Südwestfalen zu behaupten. Das trug dazu bei, daß einige Spieler von "Caissa" schon bald den Weg zurück zur Schachvereinigung fanden und der neue Verein nur einige Jahre existierte.

In dieser für die Schachvereinigung schwierigen Zeit stabilisierte insbesondere der langjährige Spielleiter Herbert Besa den Club. Mit seiner Ausgeglichenheit und seinem Gespür für die richtigen Töne und Argumente hat er der Schachvereinigung unschätzbare Dienste erwiesen. Neben seinen Aufgaben in Lüdenscheid führte Besa 34 Jahre die Kasse des Schachverbandes Südwestfalen, dessen Ehrenmitglied er 1984 wurde.

Im "eigenen" Heim

Gastwirte und Schachsportler haben in aller Regel unterschiedliche Interessen. Die einen wollen und müssen Speisen und Getränke verkaufen, die anderen benötigen Ruhe zur Konzentration und grübeln manchmal stundenlang über einer Partie, ohne Notiz von der Außenwelt zu nehmen. Alle Schachvereine haben es schwer, geeignete Spiellokale zu finden. Nach jahrelanger Odyssee durch verschiedene Gaststätten fanden die Trainingsabende und Mannschaftskämpfe der Schachvereinigung seit 1959 in dem traditionsreichen Lüdenscheider Gesellschaftshaus "Concordia" statt. Als der gesamte Gebäudekomplex 1976 abgerissen wurde, begann die Suche nach einem neuen Spiellokal. Das Domizil des Vereinigten Schießklubs am Wehberg bot nur eine zweijährige Übergangslösung. Im Sommer 1978 bot dann die Lüdenscheider Schützengesellschaft Räume in der Schützenhalle an. Um diese zu beziehen, waren jedoch umfangreiche Renovierungs- und Umbauarbeiten nötig.

Als die Verträge mit der Schützengesellschaft abgeschlossen waren, rief der Vorstand der Schachvereinigung mit Hans Lucks an der Spitze zu einer Darlehns- und Spendenaktion auf. Innerhalb von drei Wochen kamen DM 18.500,- zusammen, so daß die Umbauarbeiten im September 1978 beginnen konnten, fast vollständig in eigener Regie. Besonders verdient machten sich einige Fachleute unter den Mitgliedern der Schachvereinigung, vor allem R. Dörnen, P. Henning, H. Lüling, H. Mattke, W. Tesche und K.H. Wendel.

Täglich, auch an Sonntagen, waren zwischen zehn und 15 Schachfreunde an der Arbeit. Insgesamt wurden knapp 1.000 Arbeitsstunden geleistet, und der Gesamtwert aller Arbeiten belief sich auf DM 41.500,-. Um die finanzielle Seite kümmerten sich Heinz Menges und Herbert Besa, deren berufliche Sachkenntnis viel zur Eigenwerbung und effektiven Verwendung von Sponsorengeldern beitrug. Nach Plan wurden die gezeichneten Darlehn getilgt, und schon 1981 war der Verein wieder schuldenfrei.

Anfang Dezember 1978 war das neue "Schachheim" fertig. Bis 2013 wurde es von der Schachvereinigung genutzt. An der Einweihung nahmen unter anderen Landrat Dr. Walter Hostert, der Vorstand der Schützengesellschaft und die Vorstände der Vereine des Schachbezirks Sauerland mit dessen Vorsitzendem Jan Marl an der Spitze teil. Mit dem neuen Raum war die Schachvereinigung erstmals in ihrer Geschichte weitgehend unabhängig. Die Jugendarbeit konnte ausgebaut werden, und schon bald fand sich außerhalb der regelmäßigen Trainingsabende auch eine Gruppe von Senioren zusammen, um dem Schachsport zu frönen.

Die 80er Jahre

Je näher ein Chronist der Gegenwart kommt, desto dünner wird das Eis, auf dem er steht. Die letzten drei Jahrzehnte sind vielen noch ganz nah, und jeder, der sie bewußt erlebt hat, verknüpft mit ihnen andere Erinnerungen und Erfahrungen. Dennoch soll hier versucht werden, einige Fakten wiederzugeben und Trends zu bündeln.

Auf der Generalversammlung 1983 übernahm Wolfram Tesche den Vorsitz in der Schachvereinigung, ihm folgten 1988 Manfred Dorn und 1989 Ernest Taylor. Mit dem neuen Schachheim, einer erfolgreichen Jugendarbeit und dem einen oder anderen Spieler, der von benachbarten Vereinen zur Schachvereinigung wechselte, blickte der Vorstand Mitte der 80er Jahre hoffnungsvoll in die Zukunft. Die erste Jugendmannschaft verpaßte 1983/84 denkbar knapp den Aufstieg in die NRW-Jugendliga. Olaf Müller wurde 1984 Vize-Jugendmeister von Nordrhein-Westfalen und kämpfte sich in der Deutschen Jugendmeisterschaft bis auf Platz 13 vor. Klaus-Peter Wortmann gewann 1983 und 1984 noch als Jugendlicher zweimal hintereinander die sauerländische Bezirksmeisterschaft.

Aus Anlaß ihres 60. Geburtstages veranstaltete die Schachvereinigung 1985 in der Schützenhalle ein internationales Turnier. Am Pfingstwochenende trafen insgesamt 27 Mannschaften aufeinander, und am Ende gewannen die Gastgeber (O. Müller, M. Wiekert, W. Müller, Th. Windfuhr) vor dem hoch favorisierten belgischen Landesmeister aus Anderlecht.

In der Saison 1985/86 war die Schachvereinigung gleich mit zwei Mannschaften im "Oberhaus" des Schachverbandes Südwestfalen, der Verbandsliga, vertreten. Während die Zweite den Klassenerhalt verpaßte, schaffte die Erste ein Jahr später eine kleine Sensation: Mit 17:1 Punkten wurde sie überlegen Südwestfalenmeister, ließ dabei so renommierte Teams wie Neheim oder Siegen hinter sich und stieg in die NRW-Oberliga auf. Für Lüdenscheid waren damals am Start: Martin Wiekert, Klaus-Peter Wortmann, Hans Lucks, Volker Schmidt, Helmut Zehfuß, Ralf Stremmel, Wolfgang Müller und Thomas Windfuhr. In der Oberliga stieß noch Gerson Heuser dazu. Trotz aller Bemühungen erwies sich die Oberliga für die Schachvereinigung als zu stark besetzt. Der Abstieg konnte 1987/88 nicht vermieden werden.

Die 90er Jahre

In den 90er Jahren wandelte sich die Schachsport-Szene dramatisch. Als der eiserne Vorhang fiel, strömten Halbprofis und Profis nach Deutschland, besonders aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, wo Schach ein Volkssport war. Gleichzeitig lockerte der Deutsche Schachbund die Schranken für den Einsatz ausländischer Akteure in den Vereinsmannschaften. Die Folgen lagen auf der Hand: Das Niveau der deutschen Ligen stieg beträchtlich, aber für Vereine, die nicht bereit waren, Geld für auswärtige Spieler zu bezahlen, wurden sportliche Erfolge immer schwerer.

Das galt auch für die Schachvereinigung Lüdenscheid. Hinzu kam, daß sie mit ähnlichen Problemen wie in den 70er Jahren zu kämpfen hatte: Talentierte Jugendliche und Junioren wechselten zu anderen Vereinen, wo sie sich bessere Perspektiven versprachen und eventuell auch ein kleines Honorar winkte. Andere verließen aus beruflichen oder familiären Gründen den Verein oder traten mit dem Schachsport kürzer. Auch weil Lüdenscheid keine Universitätsstadt ist, droht immer wieder der Weggang vielversprechender Spieler und bleiben "automatische" Neuzugänge aus. Spielstarker Nachwuchs, der die entstandenen Lücken hätte schließen können, fehlte - anders als noch in den 70er und 80er Jahren.

All das trug zu einer Talfahrt bei: Zunächst verlor man die jahrzehntelange Vorherrschaft im Schachbezirk Sauerland an die Schachvereinigung Plettenberg, die mit einem gänzlich anderen Konzept und der Verpflichtung starker ausländischer Spieler zeitweise bis in die Bundesliga aufstieg. Dagegen stieg die Schachvereinigung Lüdenscheid 1991/92 aus der Verbandsliga Südwestfalen ab, 1994/95 sogar aus der Verbandsklasse in die Bezirksliga Sauerland.

Gelegentlich gelangen aber immer noch überraschende Erfolge. So holte die Schachvereinigung in der Aufstellung K.P. Wortmann, R. Stremmel, Th. Windfuhr und Chr. Steinforth im Januar 1993 den Vizemeistertitel bei den südwestfälischen Mannschaftsblitzmeisterschaften und qualifizierte sich für die NRW-Meisterschaften in Bochum. In der Saison 1997/98 wurde Thomas Windfuhr Pokalsieger des Schachverbandes Südwestfalen - zum ersten Mal trug sich ein Spieler der Schachvereinigung in diese Siegerliste ein.

Ende der 90er Jahre wendete sich das Blatt insgesamt wieder zum Besseren. Einige frühere Spieler konnten reaktiviert werden, und 1997 kehrte die erste Mannschaft nach zweimaligem Aufstieg wieder in die Verbandsliga Südwestfalen zurück. Seitem pendelte die Mannschaft mit mal mehr mal weniger konstanten Leistungen zwischen der Verbandsliga und Verbandsklasse.

Das neue Jahrtausend

Im Jubiläumsjahr 2000 veranstaltete die Schachvereinigung in Kooperation mit den Königsspringern noch einmal ein großes Turnier. 101 Spieler, darunter zahlreiche Titelträger, kamen nach Lüdenscheid und spielten ein Schnellschachturnier, bei dem Großmeister Alexander Nenaschew gewann (nach seiner Heirat trägt er heute den Namen Graf). Austragungsort war das Foyer des Bergstadtgymnasiums.

Aber auch die Euphorie, die mit diesem Jubiläum kurzzeitig im Lüdenscheider Schachsport einsetzte, konnte nicht über die grundsätzlichen Probleme im Vereinsleben hinwegtäuschen. Alle Schachvereine - wie viele andere Vereine auch - leiden unter dem Trend zur Freizeit- und Spaßgesellschaft. Immer weniger Menschen sind bereit, sich fest an Vereine zu binden, an Wochenenden zu Mannschaftsspielen anzutreten oder sich gar intensiv auf Wettkämpfe vorzubereiten. Auch die Bereitschaft, organisatorische Aufgaben im Verein zu übernehmen, sinkt stetig. Die schwindenden Mitgliederzahlen im gesamten Schachverband Südwestfalen haben in den letzten Jahren schon zu mehreren Fusionen auf Vereins- und sogar auf Bezirksebene geführt. Auch in Lüdenscheid gibt es kaum noch den Bedarf für mehrere Schachvereine parallel.

So überwanden die Schachvereinigung und die Königsspringer ihre zeitweise intensiv gepflegte Lokalrivalität und fusionierten im Jahr 2013 zur Schachgemeinschaft Lüdenscheid. Man darf gespannt sein, wie es dem Schach im Allgemeinen und der Schachgemeinschaft Lüdenscheid im Besonderen gelingen wird, sich in den nächsten Jahrzehnten zu behaupten.

Text: Ralf Stremmel (2000), ergänzt durch Philipp Denger (2013)

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